Noch bis zum Ende 1980er Jahre war das Hamburger Karolinenviertel, von den Hamburgern kurz Karo genannt, vom Totalabriss bedroht – ein zum Stadtteil St.Pauli gehörendes Quartier, das im Sommer oft nach Schlachthof und im Winter nach Hausbrand stank. Irgendwann sollte es der Messe oder einem anderen städtischen Großprojekt weichen, so der Plan des Hamburger Senats. In den unsanierten Häusern waren die Mieten billig und so eröffneten hinter den bröckelnden Gründerzeit- und Jugenstilfassaden Ende der 70er Jahre die „Jungen Wilden“ ihre Malerateliers. Galerien, Second-Hand Shops, Szenefriseure und Avantgarde Boutiquen folgten. Plötzlich war das Karo schwer angesagt – ein Fantasialand für Kreative, Individualisten und Avantgardisten – vom Gefühl her mehr Berlin als Hamburg, mehr Punk als Popper. Die Läden in der Marktstraße und den angrenzenden Seitenstraßen trugen so fantasievolle NDW-Namen wie "Futura", "Suspect", "Mann-O-Mann" oder "Junge Karriere Teil 1". Meine Fotos sind eine Hommage an die Ladenbesitzer, Galeristen, Visionäre und Lebenskünstler, die das Karo damals für uns alle gerettet haben.